Unternehmensbewertung – Wissenschaft oder Glaskugel?

Die Unternehmensnachfolge steht bevor – doch was ist mein Unternehmen, mein Lebenswerk, überhaupt wert? Zu welchem Preis kann ich es übergeben oder veräußern? Fragestellungen, die sich im Rahmen des Nachfolgeprozesses ergeben, jedoch nicht einfach zu beantworten sind. Von etwa 70.000 mittelständischen Betrieben, die in Deutschland derzeit jährlich zur Übergabe anstehen, kennen statistisch gesehen nur rund 10% ihren Unternehmenswert.

Aufgrund der zunehmenden Nachfrage hat die Böker, Paul und Jung Gesellschaft für Mittelstandsberatung mbH diese Thematik zum Anlass genommen, um an einem Unternehmerabend in den eigenen Geschäftsräumen im Quartier Süd am 24.09.2018 sowie an der IHK Veranstaltung am 21.11.2018 Licht ins Dunkle zu bringen. Beiden Einladungen sind zahlreiche Unternehmer aus der Region gefolgt und lauschten den Vorträgen von Hans-Georg Jung, Geschäftsführer und Steffen Lau, Berater der Böker, Paul & Jung GmbH.

Hans-Georg Jung erläuterte im ersten Part zunächst die Gründe, wofür es sich lohnt, den Wert seines Unternehmens zu kennen. Zunehmend kommt es vor, dass neben der Absicht ein Unternehmen zu kaufen oder zu veräußern, auch gesetzliche oder vertragliche Regelungen eine Unternehmensbewertung erfordern. Nicht zuletzt auch bei der Auseinandersetzung von Gesellschaftern oder im Erbfall und bei Scheidung. Die Anlässe einer Unternehmensbewertung sind vielfältig – ebenso wie die Bewertungsmethoden.

Dabei wies Hans-Georg Jung auf eines hin: Es gibt keine allgemein gültige Bewertungsmethode. Das sogenannte Ertragswertverfahren ist zwar eine der am häufigsten angewandten Methoden, jedoch sind durchaus auch das Discounted Cashflow- und/oder das Substanzwertverfahren geeignete Bewertungsverfahren. Die angewandte/n Methode/n wird/werden letztlich auf den zuvor genannten Bewertungsanlass und die Gesellschaftsstruktur abgestellt. Die Message von Hans-Georg Jung an die Teilnehmer:

„Prüfen Sie Ihre Gesellschaftsverträge!
Nicht selten gibt es dort auch Regelungen zu veralteten Bewertungsverfahren!“

 Die Böker, Paul & Jung GmbH kombiniert in der Regel mehrere anerkannte Verfahren, die zwar zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, dabei aber als Orientierungsgröße – für den Käufer als Wertobergrenze, für den Verkäufer als Wertuntergrenze – dienen und somit eine Verhandlungsbasis schaffen.

Gewinnausweis besser als Bereinigung – Die Einflussnahme auf den Unternehmenswert muss frühzeitig eingeplant werden. „Bedenken Sie, das geht nicht von heute auf morgen“, erläuterte Hans-Georg Jung den Teilnehmern. Ein Zeitfenster von ca. 5-7 Jahren sollte eingeplant werden, so könne das Bilanz- und Ertragsbild entsprechend aufbereitet werden.

Steffen Lau, Berater der Böker, Paul & Jung GmbH führte die Teilnehmer in der zweiten Halbzeit durch die Praxis. Dabei durchlief und rechnete er unter Zuhilfenahme eines Musterfalles diverse Bewertungsverfahren. Insbesondere das Ertragswertverfahren wurde aufgrund seiner Besonderheit ausführlich erörtert. Bei dem Ertragswertverfahren wird auf die Investitionstheorie zurückgegriffen und mittels eines sogenannten Kapitalisierungszinssatzes künftige Erträge auf einen Stichtag abgezinst. Dieser Zinssatz setzt sich zusammen aus einem Basiszins, dem allgemeinen Risikozins und dem unternehmensspezifischen Risikozins. Die Schwierigkeit liegt bei der Ermittlung des zuletzt genannten.

Wie der Wortlaut schon erkennen lässt, zielt der unternehmensspezifische Risiko-zins auf die Inhaberabhängigkeit und auf das betriebsspezifische Risiko. Beides Faktoren, die auch nach dem Verkauf oder der Übergabe nachwirken und daher eine individuelle Bewertung erfordern.

Steffen Lau veranschaulichte ferner, wie enorm sich eine Ver-änderung des Kapitalisierungs-zinses – dies speziell durch die Anpassung des zuvor genannten Risikozuschlages – auf den Unternehmenswert auswirkt. Allein aus diesem Grund sollte sich fachmännische Unter-stützung geholt werden, um bspw. als neutraler Gutachter objektive und an der Realität orientierte Werte zu ermitteln. In nachstehender Abbildung 1 sollen die Bandbreiten einmal verdeutlicht werden. Je geringer der Zuschlagssatz, desto höher der Unternehmenswert.

Weder noch
Der Unternehmenswert ist weder Wissenschaft, noch Glaskugel. Anerkannte und zeitgemäße Bewertungsmethoden führen für alle Beteiligten zu nachvollziehbaren und fairen Wertansätzen. Der Unternehmenswert ist die Basis für die Unternehmensnachfolgeberatung. Haben sich auch bei Ihnen schon Gedanken im Rahmen des Nachfolgeprozesses geäußert, sollten Sie auftretende Fragen frühzeitig und ohne Zeitdruck besprechen. Denken Sie daran ggf. externe fachmännische Hilfe mit einzubinden, um insbesondere die Risikozuschläge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Wir helfen Ihnen bei der Weitergabe von Unternehmen an Familienangehörige, bei einem Unternehmensverkauf an Dritte und auch in anderen finanziellen Fragestellungen, dies sowohl in Ihrem privaten als auch in Ihrem unternehmerischen Bereich.