Experten warnen vor unterschätzten Pflegerisiken

Die Angst, im Alter zum Pflegefall zu werden, beschäftigt viele Menschen. Das betrifft vor allem die Kosten der Unterbringung und Betreuung. Immerhin jeder zweite Deutsche befürchtet einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge, im Fall von Pflegebedürftigkeit finanziell nur unzureichend abgesichert zu sein. „Man darf das Thema nicht schönreden. Pflege kostet Geld“, sagt Professor Dr. Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB). Was viele Verbraucher aber nicht wissen: Das staatliche Pflegegeld deckt die im Durchschnitt anfallenden Gesamtkosten lediglich zu rund einem Drittel ab. „Aufklärung tut also dringend Not, damit die Betroffenen und deren Familien nicht unnötig in finanzielle Schwierigkeiten geraten“, fordert Tilmes. Einen Beitrag zu mehr Informationen zu solchen und ähnlichen Themen leistet der internationale Dachverband der Certified Financial Planner, zu dem auch der FPSB Deutschland gehört. Er veranstaltete im Rahmen der aktuellen Themenwoche „IOSCO World Investor Week“ den ersten weltweiten Finanzplanertag, den „World Financial Planning Day“ am 4. Oktober.

Laut den Ergebnissen der Forsa-Erhebung im Auftrag des Bundesverbands der Verbraucherzentralen ist die Sorge, im Pflegefall finanzielle Probleme zu bekommen, bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern. Die Angst vor den hohen Kosten im Fall der Pflegebedürftigkeit spiegelt sich auch in einer Umfrage eines Versicherungskonzerns des Axa-Konzerns aus dem Frühjahr wider. Demnach sieht sich nur jeder siebte Berufstätige in Deutschland dafür ausreichend abgesichert. Mehr als jeder Dritte sagt, dass ihm für eine ausreichende Vorsorge die Mittel fehlen beziehungsweise fehlten.

„Das Thema Pflegebedürftigkeit wird leider in vielen Finanzberatungs-Gesprächen ausgeklammert oder sogar vollständig ignoriert“, berichtet Prof. Tilmes. Ein großer Fehler. Denn die Erfahrung zeigt, dass häufig ein Großteil der anfallenden Kosten für Pflegeleistungen von den Betroffenen selbst beziehungsweise von deren Familienangehörigen bestritten werden müssen. Hinzu kommen oft weitere finanzielle Erfordernisse wie etwa für eine Unterbringung im Heim, Aufwendungen für Mobilität oder Umbaumaßnahmen der Wohnung.

Zwar hat der Gesetzgeber mit dem jüngsten Pflegestärkungsgesetz die staatlichen Leistungen verbessert, doch das reicht immer noch nicht aus. „Den deutschen Verbrauchern droht, ähnlich wie bei der Altersvorsorge, auch bei der Pflegebedürftigkeit eine Versorgungslücke“, sagt Tilmes, der neben seiner Vorstandstätigkeit auch wissenschaftlicher Leiter des PFI Private Finance Institute / EBS Finanzakademie der EBS Business School, Oestrich-Winkel, ist.

„Ein finanzielles Extrabudget für den Pflegefall zu bilden ist wichtiger denn je“, rät deshalb der FPSB-Vorstand. Denn ob jung oder alt – die meisten Deutschen übersehen die zusätzlichen finanziellen Belastungen, die sich aus einer Pflegesituation ergeben können. Das gilt umso mehr, da Pflegebedürftigkeit unabhängig vom Alter eines Menschen eintreten kann. Die gesetzliche Pflegekasse bietet jedoch häufig nur eine Basisabsicherung.

Professionals bieten effektive Unterstützung
„Es macht Sinn, das Pflegerisiko in der individuellen Finanzplanung zu berücksichtigen – und zwar frühzeitig“, empfiehlt Tilmes. Wichtige Unterstützung leisten hier qualifizierten Fachleute, wie die vom FPSB Deutschland zertifizierten unabhängigen CERTIFIED FINANCIAL PLANNER (CFP®-Professional). Sie geben Auskunft darüber, auf welchen Wegen man sich und seine Familie richtig absichern kann. Außerdem können die Experten die möglichen Unterhaltspflichten für Kinder und Eltern abschätzen und organisatorisch begleiten. „Ein wesentlicher Aspekt der individuellen Finanzplanung ist auch das Durchspielen möglicher Risikoszenarien und deren Auswirkungen auf die Vermögenssituation“, erläutert Tilmes. Zum Beispiel werden die Wirkung von Inflation oder das Ausmaß finanzieller Aufwendungen bei einer möglichen Pflegebedürftigkeit simuliert.

Damit solch häufig ignorierte Themen wie Pflegerisiken in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit an Bedeutung gewinnen, setzt sich der FPSB Deutschland seit langem für mehr Aufklärung und Finanzbildung ein. „Das Engagement für mehr Finanzwissen und eine qualitativ bessere Finanzberatung im ausschließlichen Kundeninteresse zählt zu den Hauptzielen des FPSB Deutschland“, betont Prof. Tilmes. Deshalb veranstalten der FPSB Deutschland und der internationale Dachverband FPSB Ltd. den ersten weltweiten „Financial Planning Day“, der im Rahmen der derzeitigen IOSCO World Investor Week am 4. Oktober stattfand.

Quelle: „Erster weltweiter Finanzplanertag: Experten warnen vor unterschätzten Pflegerisiken” Presse-Information des Financial Planning Standard Boards Deutschland e.V.